Keine Laus mehr

Foto von Lara

10.01.2018
Ich bin jetzt nur noch eine Lara.
Die kleine Lara ist am 27. November 2017 im Alter von 14 Jahren verstorben.
Ich bin froh Ihr dieses Denkmal geschaffen zu haben, dass ich weiterhin pflegen und ergänzen werde.
Neben tiefer Trauer bleibt mir vor allem die Dankbarkeit, so eine wunderbare Begleiterin gehabt zu haben. Meine Lara war einmalig wundervoll.

 

Endzeile

 

Lara & Lara

Fotos von Lara & Sabine Gurol

Wir sind Lara und Lara.
Gefunden haben wir uns als die große Lara 14 war, und ihre Eltern so lange überzeugt hatte bis sie endlich zu glauben bereit waren, dass nicht sie die Hauptlast an Erziehung und Auslastung eines Hundes tragen müssten. Nach intensiver Suche stieß ich auf den Kurzhaarcollie, der meinen Wünschen an Wesen und Charakter eines Hundes perfekt entsprach. So kam es schließlich zum Einzug der kleinen Lara in mein Leben.

Hüpflaus

Foto von fps Design

Wir zwei waren die Streber auf dem Hundeplatz, ausgestattet mit einem genauen Trainingsplan. Es zeigte sich schon früh das intelligente und folgsame Wesen der kleinen Lara, was leider weder sie noch mich vor den Lehren der Rangordnungstheorie bewahrte. Neben „artgerechten“ Strafen und allen Rangordnungsregeln der Kunst verstand ich es zum Glück dennoch fast immer, die kleine Lara über Motivation und Lob zum Ziel zu führen. Über ihren nahezu makellosen Gehorsam freute ich mich, wunderte mich jedoch zugleich, weshalb sie Körperkontakt stets mied. Davon, „Alphahund“ sein zu müssen, war ich seinerzeit fest überzeugt. Seltsam erschien mir, dass die kleine Lara nie auch nur irgendetwas unternahm um meine angebliche Ranghöhe in Frage zu stellen.
Lara musste 10 Jahre alt werden, bevor ich das erste Mal über meinen Tellerrand hinausschauen konnte. Mein Wissen war sowohl alt als auch eingerostet, als ich zufällig begann einen Artikel zu lesen, der der Behauptung einer Hierarchie zwischen Hund und Mensch vehement widersprach, und in dem auch der übliche Umgang mit Strafen kritisch hinterfragt wurde.
Entsetzt musste ich feststellen, dass diese Leute, die ich zu Beginn des Artikels noch für ahnungslose Spinner gehalten hatte, Recht hatten. Neben der Feststellung, dass ich zehn Jahre lang völlig unnötige und für den Hund teils unsinnige, teils schmerzhafte Methoden angewandt hatte, blieb eine große Frage: Wenn nicht so, wie denn dann?
Noch am selben Tag schaffte ich sämtliche Strafen ab. An die Regeln der Rangordnung hatte ich mich sowieso seit Jahren nicht mehr gehalten, da mir aufgefallen war dass sie bei Lara keine Veränderung bewirkten.

Kampfhund

Foto von fps Design

Rund drei Monate nach meiner ersten Erkenntnis saß ich auf dem Fußboden, als die kleine Lara zu mir kam, und sich in meinem Schoß einrollte. Das hatte sie mit rund zehn Wochen das letzte Mal gemacht.
Es sind seitdem beinahe drei Jahre vergangen. Meine Hündin, die sich Zeit ihres Lebens nie gerne anfassen lies, kommt zu mir und möchte gestreichelt werden. Meine Laus, die stets weg lief um ein Spielzeug zu holen, wenn jemand seine Hand nach ihr ausstreckte, schmiegt sich an mich wenn wir Autofahren. Meine kleine Lara, die immer Angst hatte dass meine Berührung mit Strafe einhergehen würde, schläft in meinen Armen ein. Was hätte ich darum gegeben von Anfang an ein wenig mehr zu hinterfragen was ich lese. Auch jetzt kann ich nie sicher sein, alles zu wissen. Aber mein anschmiegsamer Hund zeigt mir, dass ich zumindest auf dem richtigen Weg bin.

Auf meine Frage „wenn keine Rangordnung, was denn dann?“ habe ich die Antworten gefunden:
Ich muss Freund sein, nicht Rudelführer.
Ich muss den besseren Vorschlag machen, nicht befehlen.
Ich muss Ressourcen verteilen, nicht verteidigen.
Ich muss konsequent sein, nicht streng.
Ich muss kein Alphahund sein. Nur der beste Mensch auf der ganzen Welt.