Warum wir nicht* strafen. tl;dr

Keine Gewalt

Vorsicht, beißt: Lara, wenn sie Gewalt sieht.

Als ich damals, im zarten Alter von 12 Jahren, mit dem Hundetraining begann, war die Welt noch in Ordnung.
Ich hielt mich für modern, fortschrittlich und liebevoll, denn ich versuchte stets, die Motivation meiner Hunde hochzuhalten und strafte, meiner eigenen Einschätzung nach, fair und artgerecht.

Was hätte ich gelacht, hätte man mir seinerzeit gesagt, dass es so etwas wie „artgerechte Strafen“ nicht gibt…

Also, Tacheles! Training ohne Strafen – wie soll das überhaupt gehen!?

* Wenn wir es ganz genau nehmen – gar nicht.
Einfach, weil Strafen auch dann auftreten, wenn wir es gar nicht wollen. Und weil wir um negative Strafen manchmal nicht drum rumkommen.

Komplett straffrei können wir nicht arbeiten, so sehr wir uns auch bemühen. Was wir jedoch können, ist es so angenehm (und damit auch effektiv) für Mensch und Hund zu machen, wie es nur geht.
Ich bezeichne das als apap, as positive as possible.

Und ich erkläre Euch auch, wie das geht:

Rechtzeitig richtiges Verhalten belohnen
Die beste Lösung jeden Problems heißt wie immer Prävention. Wir müssen gutes Verhalten belohnen, bevor es ins Negative kippen kann:
Haben wir unseren Hund regelmäßig und variabel für entspanntes Laufen an der Leine belohnt, wird er nicht mehr daran ziehen. Hat er gelernt, das ruhiges Liegen im Café überaus erwünscht ist und honoriert wird, wird er sich keine anderen Wege suchen müssen, um unsere Aufmerksamkeit und Cantuccini zu erhaschen. ***

Auf Alternativverhalten zurückgreifen
Auch sehr effektiv – Alternativverhalten abfragen, bevor Fehlverhalten auftreten kann.
Möchte der Hund sich im nächsten Augenblick in eine Pfütze schmeißen, kann ein begeisterter Rückruf ihn davon garantiert besser abhalten als jedes über die Wiese gebrüllte „Nein!“. Hat er gelernt, das Besuch bedeutet, dass es für braves Sitzen Aufmerksamkeit und Kekse gibt, wird Anspringen bald kein Thema mehr sein.

Management
Und zu guter Letzt können wir immer noch managen, um eine Situation so zu gestalten, dass Fehlverhalten gar nicht erst auftreten kann oder muss.
Management ist enorm wichtig, da jede (!) Wiederholung ein Verhalten festigt.
Weiß ich also, dass mein Hund andere Hunde an der Leine anknurrt, weiche ich ihnen weiträumig aus. Kann ich nicht ausweichen, ist eine hochwertige Ablenkung (bei mir würde Kuchen funktionieren, bei den meisten Hunden wohl eher Filet) eine gute Alternative zum „einfach geschehen lassen“. Management ist kein Training, aber es sorgt oft dafür, dass Training überhaupt erst möglich wird.

Big Bad Doggie

Bellen, Aggression, Unsicherheit – es gibt kein Verhalten, bei dem Strafe eine qualifizierte Lösung darstellen würde.
Bild von Nero.

Warum nun also keine Strafen?

Erst einmal müssen wir wieder etwas genauer werden.

Was wir nicht verwenden, sind positive Strafen. Auch negative Strafen umschiffen wir, wo es geht – aber man kann sie oft nicht vermeiden.

Was ist eine negative Strafe?

Wir sprechen bei der operanten Konditionierung (das böse K-Wort! Aber es gibt kein Entkommen, wir Säugetiere lernen alle auf diese Art) von vier „Quadranten“, einfacher gesagt, vier Optionen.
Einer davon ist die negative Strafe.

Das Training hat Spaß gemacht, aber nun ist es vorbei – zack, eine negative Strafe. Der Hund möchte einen anderen Hund begrüßen, der mag aber keine anderen Hunde und wir gestatten ihm die Annäherung nicht – zack, negative Strafe. Der Hund bekommt ein feines Stück Filet, er hätte aber lieber zwei – zack…

Auch das Ausbleiben einer erwarteten Belohnung ist eine negative Strafe. Deshalb sollten wir den Hund immer nur dann mit Futter locken, wenn er es sich auch sicher verdienen kann.

Negative Strafe werden manchmal auch bewusst eingesetzt, zum Beispiel wenn der Hund partout kein Alternativverhalten zeigen kann, das Verhalten zu schnell oder zu spontan eintritt um das Verhalten davor zu belohnen und Management nicht ausreicht, um eine Trainierbarkeit herzustellen. Sie wird z.B. oft zum Erlernen der Beißhemmung als Zusatz zum Umlenken des Knabberns auf Spielzeug eingesetzt (schmerzhafter Biss = Spielabbruch) oder wenn sich ein selbstbelohnendes Verhalten wie z.B. Bellen, um Aufmerksamkeit zu erheischen, stark gefestigt hat (Bellen = Aufmerksamkeit wird entzogen). Im Shaping wird zum Beispiel auch der kurzzeitige Trainingsstop als negative Strafe genutzt. Ein Hund, der über Belohnungen trainiert wird, wird das Ausbleiben der Belohnung folgerichtig als Strafe empfinden.

Frust ist wirklich kein schönes Gefühl, deswegen sollte auch mit negativen Strafen sparsam umgegangen werden. Dies gilt umso mehr, wenn angeraten wird, den Hund zu ignorieren. Der Entzug von sozialer Interaktion ist eine der schlimmst möglichen Strafen! Deshalb darf der Hund auf keinen Fall über einen längeren Zeitraum ignoriert werden!

Aber: Jeder Hund muss früher oder später mit Frust umgehen, das lässt sich im Alltag einfach nicht vermeiden.
Dies wird ihm deutlich leichter fallen, wenn er, abseits davon, regelmäßig tolle Erfahrungen machen kann.

Operante Konditionierung kurz erklärt

Die vier Quadranten der operanten Konditionierung
(Operante Konditionierung = verhaltensbeeinflussende Konditionierung):

Die positive Verstärkung
Die positive Strafe
Die negative Verstärkung
Die negative Strafe

Positiv und negativ sind in diesem Zusammenhang übrigens rein mathematisch zu verstehen, keinesfalls wertend.

Eine positive Verstärkung sorgt dafür, dass eine Situation als positiv erlebt wird, das gezeigte Verhalten wird zukünftig häufiger auftreten.
Um postiv zu verstärken, muss der Situation etwas Angenehmes hinzugefügt werden.

Die positive Strafe sorgt dafür, dass die Situation als unangenehm erlebt wird, das gezeigte Verhalten wird seltener auftreten.
Um positiv zu strafen, muss ich der Situation etwas Unangenehmes hinzufügen.

Die negative Verstärkung sorgt für Erleichterung, das gezeigte Verhalten wird häufiger auftreten.
Um negativ zu verstärken, muss ich etwas Unangenehmes entfernen.

Die negative Strafe löst Frustration aus, das gezeigte Verhalten wird seltener auftreten.
Um negativ zu strafen, muss ich etwas Angenehmes entfernten.

Keine Gewalt, sonst gibt's auf die Fresse

Strafe kann uns einschüchtern, lehren tut sie uns jedoch nichts.

Also, keine positiven Strafen. Warum zum Geier?!

Es gibt viele gute Gründe, nicht über positive Strafen (ich werde sie im Rest des Artikels nur noch vereinfachend als Strafen bezeichnen) zu trainieren.
Ich habe ein paar für Euch gesammelt:

1. Strafen sind ineffizient.
2. Strafen kommen mit Nebenwirkungen.
3. Strafen unterdrücken Verhalten anstatt Probleme zu lösen.
4. Strafen provozieren Aggression
5. Strafen führen zu Meideverhalten.
6. Richtig strafen ist kompliziert.
7. Strafen ist selbst-belohnend.

Eins nach dem anderen:

1. Was heißt hier ineffizient? Es klappt doch?!

Wir müssen immer im Hinterkopf haben, dass wenn wir strafen, wir nicht „dieses eine Verhalten“ bestrafen, sondern erst einmal alles.

Alles, was den Hund umgibt, wenn wir strafen, wird immer „mit-bestraft“. Der Hund weiß zu Beginn des Trainings nicht, was genau unsere Reaktion ausgelöst hat – er kann also nicht differenzieren ob es nun am In-die-Leine-springen lag, das wir uns so aufregen oder der Sonnenaufgang daran schuld ist oder gar der Radfahrer in der Ferne.

Er verknüpft also mit unserer Strafe irgendetwas – was das ist, können wir nicht steuern.

Daher braucht es oft lange, bis der Hund kapiert, worin überhaupt der Ursprung unseres Zorns liegt.

Eine Strafe vermittelt dem Hund keinerlei Information darüber, was er tun soll. Und „nichts“ tun ist eine durchaus komplexe Lernaufgabe. Dazu kommt, dass Strafen oftmals nicht direkt als solches wahrgenommen werden, wenn sie in der Intensität zu schwach sind. Somit verstärken wir also ausversehen ein Verhalten, das wir eigentlich hemmen wollen. Sind Strafen hingegen zu stark, kann es zur Traumatisierung kommen. Nicht gerade das, was man unter effizientem Lernen versteht…

2. Und die Nebenwirkungen?

Auch, wenn der Hund sein Betragen an der Leine als den Auslöser der Strafe erkennt, hat er trotzdem abgespeichert, dass Sonnenaufgänge mit Radfahren in der Ferne unangenehm sind.

Es ist also gut möglich, dass er (trotz erfolgreich abgestelltem Leinensprung) beginnt, morgendliche Radfahrer zu verjagen. Ohne die ist es schließlich viel schöner und Frauchen muss nicht wieder wütend werden, wenn Sonnenaufgang und Radfahrer aufeinander treffen…

Rattengang

Wer von einer Horde Bewaffneter umzingelt ist, kann keine komplexen Gleichungen lösen. So geht es auch einem gestraften Hund – das Lernen und Denken wird durch Schmerz, Angst und Frust enorm erschwert.

3. Symptombekämpfung statt Problemlösung

Gerade, wenn wir Verhaltensweisen bestrafen, denen Angst oder Stress zugrunde liegen, gibt es noch ein weiteres Problem. Es wird womöglich das Symptom unterdrückt – das Problem des Hundes besteht aber noch. Es wird also sehr wahrscheinlich ein anderes Verhalten auftreten, welches das ursprüngliche ersetzt. Dies kann sowohl etwas recht deutliches sein, wie zum Beispiel eine rückwärts (gegen den Hundehalter) gerichtete Aggression, oder aber etwas schwerer zuzuordnendes, wie ein stereotypes Verhalten. Ständiges Kratzen oder Belecken bestimmter Körperteile können in einem so unterdrückten Bedürfnis Ihren unentdeckten Ursprung haben.

Hunde merken sich negative Erfahrungen ganz hervorragend. Es gibt keine Strafe ohne negative Folgen für die Beziehung. Jeder Leinenruck und jedes Anschreien bleibt im Hundegehirn haften – und schadet dem Vertrauen unseres Hundes in uns.
Das Märchen vom „ich strafe, und danach geht die Beziehung ganz normal weiter“ ist Bullshit.
Du strafst, und genau das macht die Beziehung auf Dauer kaputt. Hunde finden das weder „okay“ noch „nicht schlimm“ und schon gar nicht vergessen sie solche Erlebnisse.
Das alles sind nur traurige Versuche, sich selbst einzureden, es sei schon nicht so schlimm, was man mit dem Hund tun würde.
Aber genau das ist es doch: Schlimm.

Womit wir bei Aggression und Meideverhalten angekommen wären.

4. Aggressionsverhalten – wie und warum?

Ein ganz typisches Beispiel für Strafe, die Aggression auslöst, ist körperliche Strafe.

Der Hund kann die Strafe entweder als Spielen auffassen (besonders bei Hunden mit hoher Schmerztoleranz) oder aber als Angriff.
Wird die Strafe als Spiel verstanden, hat sie selbstverständlich auch keinen strafenden Effekt – im Gegenteil.
Wird die Strafe als Angriff erkannt, kann sie die ganze Bandbreite von schockierter Aufmerksamkeit bis hin zu heftigen Gegenangriffen auslösen.
Viele Hunde ertragen mit engelsgleichter Geduld ein Leben voller körperlicher Strafen, andere beginnen schon früh, sich zu wehren.

Ein Klassiker in dieser Hinsicht ist auch die Leinenaggression. Oft genug entsteht das erste Bellen aus Frust oder Unsicherheit. Der Hundehalter straft, der Hund verknüpft: „anderer Hund = mein Mensch wird garstig“.
Nun versucht er beim nächsten Mal, den fremden Hund direkt zu vertreiben. Der Hundehalter, erzürnt über den Misserfolge seiner letzten Strafe, wird heftiger strafen, was den Hund lehrt, beim nächsten Mal früher oder heftiger zu reagieren um den anderen Hund zu verjagen, woraufhin der Hundehalter seine erfolglose Strafe intensiviert… Ein perfekter Teufelskreis, in dem Hund und Halter sich gegenseitig immer weiter steigern.

Eine Strafe muss jedoch nicht körperlicher Natur sein, um Aggression zu wecken – auch aus Angst entwickelt sich schnell Aggression, besonders wenn der Hund die Situation als ausweglos einschätzt.
Manche Hunde gehen dann nach vorne – oder auf den eigenen Menschen los.

Andere entwickeln Meideverhalten.

Laus Unzufrieden

Die Laus ist unglücklich, weil die ungewohnte Kamera sie anstarrt. So können erste Anzeichen von aufkommendem Meideverhalten aussehen.

5. Meideverhalten durch Strafe

Meideverhalten kann aufgebaut werden gegenüber:
– Situationen in denen gestraft wurde
– Menschen, die Strafen ausführen
– Gegenständen, mit denen gestraft wurde
– Personen, Tieren, Sinnesreizen oder Gegenständen, die bei einer Strafe anwesend waren
– Situationen, die denen der Strafe ähneln

Meideverhalten erkennt man daran, dass der Hund einem Auslöser ausweichen will, Anzeigen von Angst und Stress zeigt und sich zu entziehen versucht.
Aus gescheitertem Meideverhalten, dass nicht die gewünschte Lösung zur Folge hatte, kann Aggression entstehen.

Oft ist Meideverhalten anfangs so dezent, dass es leicht übersehen wird. Erst wenn das Problem sich verschlimmert, fällt die – scheinbar aus dem Nichts kommende – Reaktion des Hundes deutlich auf. Gerade wenn einem als „Feigling“ belächelten ängstlichen Hund einmal die Ausweichmöglichkeiten ausgehen und er völlig unerwartet zum Angriff übergeht, hört man häufig das überraschte „Das hat er ja noch nie gemacht!“. Dem voraus gehen in der Regel jedoch lange Phasen, in denen der Hund versucht hat seine Angstauslöser zu meiden und Abstand zu gewinnen.

6. Die Regeln für Strafe

Und zu guter Letzt:
Um überhaupt eine Chance zu haben, effektiv zu strafen, gilt es, die Regeln zu kennen und einzuhalten.
Einige davon sind schwer, manche nahezu unmöglich einzuhalten.

1. Die Strafe muss angekündigt werden.

Wir wollen, dass der Hund sein Verhalten als den Auslöser der Strafe erkennt. Wenn dies gelingt, kann er das Verhalten unterbrechen, sobald die Strafankündigung erfolgt und wird somit durch die ausbleibende Strafe für den Verhaltensabbruch belohnt. Negative Verstärkung: Etwas Unangenehmes – die erwartete Strafe – tritt nicht ein, das Verhalten wird verstärkt.

2. Die Strafe muss jedes Mal folgen, wenn das Verhalten gezeigt wird.

Soll der Hund den Zusammenhang zwischen Strafe und Verhalten sicher verstehen, muss die Strafe jedes Mal auf das Verhalten folgen. Schwierig wird das insbesondere bei Verhalten, welches in der Abwesenheit des Menschen auftritt.

3. Die Strafe muss sofort nach dem Verhalten auftreten.

Für den Lernerfolg des Hundes ist ein exaktes Timing enorm wichtig. Anderthalb Sekunden nach Beginn des störenden Verhaltens sollte die Straf-Ankündigung spätestens erfolgt sein.

4. Die Strafe muss die richtige Intensität besitzen.

Die Intensität der Strafe ist ebenfalls von immenser Bedeutung. Hierbei bedarf es eines genauen Verständnisses davon, wie der Hund die Situation und die folgende Strafe empfinden wird.
Ist die Strafe zu heftig, wird sie den Hund traumatisieren, ist sie zu lasch, wird sie wahrscheinlich gar nicht erst als Strafe empfunden.

Laus Nähe

Auch die Laus musste zehn Jahre lang Strafen in ihrem Alltag ertragen. So viel Nähe wäre in dieser Zeit undenkbar gewesen.

So. Wir haben also die Möglichkeit, den Hund für Verhalten, das wir nicht mögen, zu strafen. Diese Option erfordert jedoch absolute Konzentration von uns in allen Situationen, in denen das fragliche Verhalten auftreten könnte. Beim Quatschen mit der Nachbarin auf der gemeinsamen Hunderunde können wir diese Konzentration nur schwerlich aufbringen.
Daheim vor dem Fernseher sieht es wenig besser aus. Und was tun, wenn der Hund das Verhalten zeigt, wenn er hunderte von Metern entfernt ist?
Mit der Aussicht auf eine Belohnung wird der Hund liebend gerne zu uns kommen – für eine Strafe wird er sich den Weg sparen…

7. Straf-Junkies auf zwei Beinen?

Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Problem der Strafe ist folgendes:
Sie kann süchtig machen.
Strafen fühlen sich für uns oft gut an: Wir denken, das richtige getan zu haben; sind vielleicht erleichtert, weil wir damit ein störendes Verhalten unterbrochen haben; haben uns am Hund für sein mangelhaftes Betragen gerächt oder auch einfach tatsächlich ein Verhalten erfolgreich unterdrückt. Der Hund reagiert auf uns und nimmt uns wahr. Auch die gesellschaftliche Erwartung, den Hund mit seinem Fehlverhalten „nicht durchkommen“ zu lassen haben wir erfolgreich erfüllt. Ein erleichterndes Gefühl.
All dies führt zu positiven Assoziationen im Zusammenhang mit Strafen, die auf diese Art bald zur Gewohnheit werden können, selbst wenn sie eigentlich nicht mehr nötig wären oder sie lange Zeit ohne Erfolg bleiben.
Wir wähnen uns ja, bestärkt durch frühere Erfolge und das gute Gefühl, stets auf dem richtigen Weg. Auch noch nach jahrelangen Leinenrucken denken wir, der Hund wird schon bald aufhören zu ziehen, solange wir nur weiter rucken.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Strafen verschlechtern die gegenseitige Freude aneinander – nur der Mensch übersieht dies gerne. Wir erfinden immer neue Ausreden, wieso es in Ordnung sei, seinen Hund zu strafen. Sei es „die machen das unter sich auch so“ (die ewige Top 1 auf dem Bullshit-Berg) oder „er hat mich noch nicht als Rudelführer anerkannt!“ (Top 1.2, in direkter Nachfolge), „Hunde brauchen Grenzen um glücklich zu sein!“ (inhaltlich akzeptabel, nur im Zusammenhang mit Strafe vollkommen deplatziert), „da muss er durch!“ (nur wenn Du ein Arsch bist…) oder „uns haben Strafen ja auch nicht geschadet“ (doch, haben sie).
Nichts davon ist valide. Es gibt auch keinen Hund, der „über positive Bestärkung nicht trainierbar“ sei. Die Grundprinzipien des Lernens gelten immer. Sowohl für uns, als auch für unsere Hunde. Und anders als Strafe macht positive Bestärkung eine Situation, egal wie blöd, eben nicht schlimmer für den Hund, sondern besser. Genau das, was es braucht, um dem Tier langfristig Sicherheit und einen stabilen Handlungsrahmen bieten zu können.

Laus mit Herz-Leckerli aauf dem Rücken

Da kommt sie alleine einfach nicht dran: Professionelle Hilfe ist gefragt.

Und wenn ich positiv nicht weiterkomme?

Es gibt immer Situationen, in denen man an seine Grenzen kommt. Wo einfach nichts zu greifen scheint.
Das kennen wir alle.
Das ist der Zeitpunkt, sich professionelle Hilfe zu holen.
Aber Augen auf: Wer Strafen braucht, um ein Ziel zu erreichen, der weiß einfach nicht, wie es anders geht.

Und das geht es. Immer.

tl;dr, die Kurzfassung:
Strafe lehrt uns nichts. Strafe macht uns wütend. Dasselbe gilt für unsere Hunde.
Jedes unerwünschte Verhalten kann durch ein erwünschtes Verhalten unterbrochen, beendet oder grundsätzlich verhindert werden.
Es gibt keine Ausrede, zu bestrafen, wenn man genauso gut ein zuverlässiges „Sitz“ trainieren (und im entsprechenden Moment abfragen) könnte.

Die dunkle Seite des Hundetrainings ist stark – aber wir müssen stärker sein.

(Positive) Strafe beginnt da, wo Wissen endet.

*** Ich weise darauf hin, dass ich niemanden verleiten möchte, Hunde mit zuckerhaltigem Gebäck zu füttern. Die Formulierung dient in diesem Fall rein der Rhetorik, nicht der Nachahmung.

Quellen
Strafe im Hundetraining, abgerufen am 25.10.2018
Regeln bei der Anwendung von Strafe, abgerufen am 25.10.2018
Was jede*r über Strafe im Hundetraining wissen sollte, abgerufen am 25.10.2018
Warum ich auf Gewalt im Hundetraining verzichte!, abgerufen am 25.10.2018
Positive Bestärkung – Ein Guide, abgerufen am 25.10.2018
„Hunde machen das doch untereinander auch so“ abgerufen am 25.10.2018
5 Gründe, warum immer mehr Trainer*innen modernes Hundetraining bevorzugen und wie du davon profitieren kannst, abgerufen am 25.10.2018
Belohnung in der Hundeerziehung?, abgerufen am 25.10.2018
Positionspapier der Initiative für gewaltfreies Hundetraining, abgerufen am 25.10.2018
Vorsicht, damit Dein Hund Dein Streicheln nicht als Strafe empfindet!, abgerufen am 25.10.2018